25. Mai 2020

Wiedereingewöhnung nach der Corona Auszeit? Tipps und Überlegungen

Neue Eingewöhnung nach der Corona Auszeit Tipps und Überlegungen

Wochenlang waren die Kinder zuhause, wurden von mir und meinem Mann betreut und bespaßt. Nun steht die Rückkehr in die Krabbelgruppe und Kindergarten bevor. Die Kinder freuen sich darauf, die Fünfjährige hat ihre Freunde sehr vermisst, die Zweijährige wohl eher das Singen und Tanzen. 

Nur Mama hat ein bisschen Bauchweh, ob sich die Kinder nach so langer Abwesenheit wieder gut in den Einrichtungen zurecht finden. Wie mag es meinen Küken wohl gehen, nach acht Wochen, die sie ausschließlich mit ihren primären Bezugspersonen verbracht haben? Werden sie die Trennung gut verkraften? Da spreche ich jetzt von den Kindern, nicht von Mama oder Papa. Die sind schon groß, die tun sich damit (hoffentlich) leichter. Vor allem um mich selber zu beruhigen – die Kinder sehen die Sache bislang ganz entspannt – habe ich mich ein bisschen schlau gemacht und mich umgehört.

Wie kann man die Kinder auf den Wieder-Besuch vorbereiten?

Vorab mit der Einrichtung telefonieren und nachfragen, ob es Änderungen gibt und unter welchen Bedingungen (Masken, Händewaschen, Abstand) geöffnet wird, sofern nicht ohnehin Informationsblätter ausgesendet werden. Es könnte sein, dass Gruppen zusammengelegt werden oder beim Essen Abstand gehalten werden muss etc. Ich weiß, das ist schwierig, weil Schule und Kindergarten gerade selbst ständig mit neuen Vorgaben konfrontiert sind.

Ganz sicher jedoch wird die Ordnungsstruktur eine andere sein als davor, auf die sich Kinder und Eltern einstellen müssen.

Vor dem ersten Tag der Rückkehr empfiehlt es sich, mit den Kindern darüber zu sprechen. Die Kinder kennen die Einrichtung und die Betreuungspersonen, kennen die Strukturen und Abläufe dort, das ist von großem Vorteil. Weil nicht alles neu sein wird.

Je nach Alter des Kindes müssen Mama und Papa die Gesprächsthemen natürlich variieren.

Hier ein paar Ideen für den Einstieg:

An welche Spiele/Lieder kannst du dich erinnern?

Was ist dort dein Lieblingsspielzeug, weißt du noch, wo es ist? Was machst du besonders gerne in der Schule/KiGa/Krabbelgruppe?

Welches Essen magst du dort?

Erzähl mir von deinen Freunden, von deinen Lehrern/Kindergartenbetreuern/Krabbelgruppenbetreuern…

Je kleiner das Kind ist, desto weniger wird es sich erinnern (können). Da darf dann gerne Mama oder Papa das Erzählen oder Singen von schon bekannten Liedern übernehmen. Gemeinsam Fotos oder Videos ansehen hilft ebenfalls.

Auch wenn Mama und Papa ein bisschen Trennungsschmerz verspüren (oder auch nur pure Erleichterung, weil endlich wieder stressfrei gearbeitet werden kann), soll es um die Kinder gehen. Alles was gut ist, was den Kindern in der Einrichtung gefällt, betonen. Grundsätzlich gilt: In all den Gesprächen Positives vermitteln, das Thema jedoch nicht überstrapazieren.

Der Tag X. Alles neu oder erinnert sich mein Kind und fühlt sich gleich wohl?

Je besser sich das Kind vor der ‚Corona-Auszeit‘ eingewöhnt und je länger es in der Einrichtung war, desto leichter wird (vermutlich) die Rückkehr fallen und die Trennung von Mama und Papa. Ich schreibe hier von Ein-bis Dreijährigen, ältere Kinder werden sich naturgemäß weniger schwer tun.  In der Regel dauert die Eingewöhnung in der Krabbelgruppe oder im Kindergarten 14 Tage bis ein Monat bis sich ein Kind an die neue Bezugsperson und die Strukturen gewöhnt und eine sichere Bindung aufgebaut hat. Wichtig ist, dass das Kind die Zeit bekommt, die es braucht, auch in der „Wiedereingewöhnung“.

Die Leiterin der Krabbelgruppe, in die meine Kleine geht, hat mir versichert wie unkompliziert bisher die Rückkehr der Kinder gelaufen ist. Die meisten haben sich sofort zurecht gefunden, weil sie bereits mit Struktur und Ablauf der Einrichtung vertraut waren. Sie haben sich ohne Zögern verabschiedet und entspannte Stunden in der Krabbelgruppe verbracht. Nur ein Kind musste bislang getröstet werden. Die Pädagogen sind jedoch darauf vorbereitet und haben das Kind gut abgeholt.

Das hört sich doch schon sehr gut an in den Ohren einer besorgten Mutter, oder?

Eine befreundete Volksschullehrerin, angesprochen auf die Rückkehr, rät zur Gelassenheit. Je gestresster die Eltern, desto schlimmer für die Kinder. Die Kinder jedoch sind unkompliziert und können sich rasch anpassen.

Für viele Kinder wird es eine Umstellung werden. wie nach den großen Sommerferien, mutmaßt sie. Und da finden sich die Kinder normalerweise nach ein paar Stunden oder Tagen sofort wieder zurecht. Klingt doch viel versprechend, oder? In den Gesprächen mit Pädagogen, Lehrern und anderen Eltern, sind mir immer wieder ein paar Dinge aufgefallen, die ich hier nun einfach aufgeschrieben habe, in der Hoffnung, dass es uns Eltern ein bisschen was erleichtert.

Tipps an Eltern – Gelassenheit und Zeit garantieren Stressfreiheit

 – Mama und Papa kennen ihre Kinder naturgemäß gut und können am besten beurteilen, ob sie sich rasch wieder loslösen können. Trotzdem ist es ratsam am Anfang vorbereitet zu sein, auf plötzliche „Schulverweigerer“ und  einen untypisch verheulten Abschied in der Krabbelgruppe. Das ist nur natürlich nach so langer Zeit der Abwesenheit, es zeigt sich einfach die Angst vor dem Ungewissen.

 – Ausreichend Zeit am Morgen einplanen. Eventuell stehen Mama oder Papa schon eine halbe Stunde früher auf, machen sich für die Arbeit fertig und haben dann ausreichend Zeit. Sind die Eltern gestresst und unter Termindruck, so überträgt sich das auf die Kleinen. Gerade das wollen wir ja vermeiden.

– Ein paar Minuten früher in der Einrichtung ankommen als ansonsten üblich, falls das Kind besonders lange brauchen sollte um sich zu lösen. Auch weil oftmals nur ein Erwachsener mit Kind den Garderobenbereich betreten darf (Abstandsregel).
Schulkinder ein paar Minuten früher losschicken, damit noch ausreichen Zeit für Abschiedsküsse  und intensives Händewaschen vor Schulbeginn ist.

– Beim Arbeitgeber bzw. bei den Kollegen bekannt geben, dass man etwas später kommen könnte.  Eventuell sogar den ersten Tag der „neuen Eingewöhnung“ frei halten um das Kind entspannt abliefern und nach kurzer Zeit wieder abholen zu können.

– Einen Notfallplan parat haben: Was ist, wenn das Kind entweder gar nicht in die Krabbelgruppe will, oder nach einer Stunde dermaßen in Tränen aufgelöst ist, dass es abgeholt werden muss? Macht das Mama? Papa? Oma? Die Nachbarin? Wenn man Glück hat, kommt der back-up-Plan nie zum Einsatz und die Kinder fühlen sich wohl wie eh uns je.

– Gelassenheit. Entspannt sein. Alles wird gut.



EIN ARTIKEL VON
  • Vera Ortner
    Vera Ortner

    Ich bin verheiratet und Mama von zwei wundervollen Töchtern. Wenn ich nicht gerade für eine Salzburger Tageszeitung arbeite, versuche ich viele fröhliche Stunden mit den Mädels zu verbringen und mich gleichzeitig im Alltagschaos nicht entmutigen zu lassen. Daran werde ich die Internetgemeinschaft und unser Bloggernetzwerk gerne Teil haben lassen.


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